
...in jenem altehrwürdigen Gast- und Logierhaus, in dem schon Otto von Bismarck, Eugenie John, auch als Marlitt bekannt, Johann Sebastian Bach, Willibald Alexis und andere bedeutende Persönlichkeiten zu Gast waren.
Über 400 Jahre besteht in der alten und ehrwürdigen Stadt Arnstadt, der ältesten Stadt der Neuen Bundesländer, das traditionsreiche und historische Gast- und Logierhaus ?Goldene Henne? auf dem ebenso historischen Riedplatz.
Das Haus kann auf eine lange Geschichte zurück schauen: Bereits 1608 wurde die Henne erstmals urkundlich erwähnt, muss aber schon Jahre vorher am alten Riedplatz errichtet wurden sein. Der Riedplatz war einst sumpfiges Gelände. Bereits im 15. Jahrhundert wurde versucht der Lage Herr zu werden, indem man versuchte, den Platz mit ?langen Steinen? wegsamer zu machen. Anno 1570 half alles nichts mehr, der Riedplatz wurde gepflastert. In dieser Zeit, zwischen der Pflasterung des Rieds und der Ersterwähnung, jedoch nach dem großen Brand, bei dem 1581 Arnstadt fast völlig abbrannte, muss die Goldene Henne entstanden sein. Nach dieser bitteren Katastrophe begann die Geschichte des Hauses, welches große Ereignisse und Feierlichkeiten erlebte, aber auch bittere Armut und Verwahrlosung sah.

1823
Schon viele Jahre war die Henne im Besitz der hochgeachteten Arnstädter Familie Maempel, als 1823 Kommerzienrat Oskar Maempel das Gast- und Logierhaus übernahm. Bereits in jener Zeit war der Gasthof einer der Bedeutendsten der Stadt, der allen Ansprüchen, auch denen der höchsten Herrschaften, genügte.
1851
In jenem Jahr wurde nahe Arnstadts in Rudisleben eine Solequelle aufgetan, woraufhin Arnstadt als Solbad wirtschaftlichen Aufschwung nehmen konnte. In den Folgejahren weilten deshalb viele Kurgäste in der Henne. Unter anderem der Dichter Willibald Alexis, der nach Arnstadt kam um hier seine letzen Lebensjahre zu verbringen.
1865
Viele gesellschaftliche und private Feierlichkeiten fanden in den Räumlichkeiten der ?Goldenen Henne? statt. Dies war das Jahr in dem der Anbau des nördlichen Seitenflügels als Speise- und Tanzsaal erfolgte. Der prachtvolle Stucksaal war infolgedessen immer öfter Mittelpunkt zahlreicher gesellschaftlicher Anlässe und Feierlichkeiten.
1879
Ein Gast aus Übersee besuchte die Goldene Henne am 4. März 1879. Armin Tenner aus Cincinnati gab im Stucksaal des Hauses eine Vorführung mit dem ?Edison Phonographen.
1880
Bedeutung hatte das Gast- und Logierhaus auch für das Vereinsleben Arnstadts. Wie schon am Namen erkennbar, hat die ?Goldene Henne? ein Herz für Federvieh und so wurden u.a. der Geflügelzucht- und Vogelschutzverein am 19. Oktober 1880 im Haus gegründet.
1897-99
Nach dem Tod Oskars Maempels 1897 kümmerte sich seine Witwe um die Belange der ?Goldenen Henne?. Am 3. Januar 1899 übergab sie den Gasthof an ihren Sohn Paul Maempel.
1900
Im neu angebrochenen Jahrhundert fand am 2. April in der ?Henne? eine längere Besprechung über die projektierte Eisenbahnlinie Gotha-Arnstadt statt. Die mehrstündigen Verhandlungen führten, aufgrund der ablehnenden Haltung des preußischen Eisenbahnministers, zu dem Entschluss eine Kleinbahn zu bauen. Zwei Projekte, elektrischer und Dampfbetrieb, sollten ausgearbeitet werden.
1904
In diesem Jahr beging die Verwaltung der Stadt Arnstadt, unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Harald Bielfeld, das 1200-jährige Jubiläum Arnstadts im Saal der ?Goldenen Henne?. Noch heute ist die Speisekarte des Festessens aus Anlass des Jubiläums erhalten.
1906/ 07
Der Gasthof ging Ende 1906 in den Besitz einer Aktiengesellschaft über. Pächter ab 1. Januar 1907 wurde Paul Fröhlich, welcher langjähriger Oberkellner in Erfurts ?Europäischem Hof? war. Bald darauf wechselte der Besitzer erneut. Edmund Böttner hieß der neue Besitzer der Henne. Böttner wurde während des 1. Weltkrieges zum Heeresdienst eingezogen.
1918
Im Laufe des 1. Weltkrieges erfuhr das Haus erstmals eine Umwandlung in der öffentlichen Nutzung. Als am 2. Juni 1918 ein Transport mit 500 Verwundeten eintraf wurde das Haus, auf Entscheidung des Medizinalrates Dr. Toelle, kurzfristig als Lazarett genutzt.
1919
Mit dem Ende des 1. Weltkrieges eröffnete das Gast- und Logierhaus ?Goldene Henne? unter Leitung Edmund Böttners neu. Doch war nicht nur der Krieg vorbei, sondern auch die goldenen Zeiten der ?Henne?.
1921
Nur 2 Jahre später veränderte sich die Situation des Gasthauses wiederum. Ein gewisser Herr Heyne hatte die Räumlichkeiten 1921 übernommen. Im selben Jahr ließ er die Räume des Restaurants vergrößern und feierte mit den Arnstädtern ein weiteres mal Eröffnung..
1922/23
Ein Jahr später stand das Objekt erneut zum Verkauf. Anfang Oktober 1922 kaufte die Stadt Arnstadt die ?Henne? und richtete ein Altersheim darin ein. Das Haus wurde völlig umgebaut und für seinen neuen Zweck hergerichtet Insgesamt entstanden 8 Wohnungen.. Am 26. April 1923 hielt die erste Familie Einzug. Am 17. Mai selbigen Jahres öffnete eine außerdem errichtete Notküche. Infolge dessen ging die große Ära des traditionsreichen Gast- und Logierhauses jäh zu Ende. Dieser Zustand hielt über einige Jahrzehnte hinweg an.
1946
Auch in den Folgejahren, über die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, blieb die ?Henne? das Arnstädter Armenhaus. Daran änderte auch das Kriegsende 1945 nichts. Die politischen Nachfolger nutzten das Gebäude als Armenhaus und Notstandsquartier. 1946 wohnten 120 Personen im Haus.
1950
Durch die vorherrschende Wohnungsnot nach dem zweiten Weltkrieg, die durch über 14.000 Heimatvertriebene, welche in Arnstadt eine neue Heimstatt suchten, entstand, war nicht einmal daran zu denken, das einstige Gasthaus seiner ursprünglichen Funktion zuzuführen. Im Gegenteil: In den 50er Jahren wurden zusätzliche Wände und Schornsteine eingezogen um mehr Wohnraum zu schaffen. Diesem Anliegen fiel auch der wunderschöne Stucksaal zum Opfer.
1990
Auch über die Jahre des DDR-Regimes änderte sich am Zustand der ?Henne? nichts. Das alte Gasthaus behielt den Charakter als Wohnstätte für sozial Schwache. Mit der Einheit Deutschlands 1990 kam auch für die Henne die Wende. Mit Sorge blickten die Stadtväter auf das alte Haus, welches durch die langjährige wesensfremde Nutzung in einem miserablen Zustand war und grundlegend saniert werden musste.
1993
Für die Stadt kam die Rettung mit der öffentlichen Ausschreibung 1993. Tatsächlich fand sich ein Käufer ? die Familie Becker.
Jörg Becker, der heutige Geschäftsführer des Gast- und Logierhauses erinnert sich:
?Zu diesem Zeitpunkt wohnten noch 13 Familien im Haus. Aufgrund der sozialen Mieterstruktur über Jahrzehnte, war das Haus zu diesem Zeitpunkt teilweise in einem abrissreifen Zustand. Unabhängig davon, wurde der Gebäudekomplex aufgrund seiner historischen Bausubstanz als Einzeldenkmal angewiesen. Noch im gleichen Jahr begannen wir mit der Planung für die Wiederherstellung dieser historischen Bausubstanz, wohl auch ahnend, was da auf uns zukommen würde. Die Umsetzung des Projektes erwies sich als durchaus problematisch. Es sollte bis 2001 dauern, bis das Haus konzeptionell wieder als Gasthaus und Hotel genutzt werden konnte. Über Jahre dauerten allein die Mietprozesse. Sechs Jahre mussten wir mit den Mietparteien prozessieren, teilweise Ersatzwohnraum für drei Familien schaffen, was wir in der sogenannten ?kleinen Henne? realisieren konnten. Die behördlichen Genehmigungen und Bestimmungen nahmen einen Zeitraum von 8 Jahren ein, auch bedingt durch die ständige Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfeldes und damit der Finanzierungsbasis für das gesamte Gebäudeareal?.
Während der Sanierungsphase mussten ca. 110 Tonnen Mietermüll und ca. 500 Tonnen reiner Bauschutt aus dem Haus entfernt werden. Der gesamte Sanierungsaufwand belief sich auf eine Summe von über 3 Millionen Deutsche Mark.
2001
Am 4. Juni 2001, zu Pfingsten wurde die Gastronomie in alter Pracht nach über 80 Jahren wieder aufgenommen. Seither bemühen sich Familie Becker und alle Mitarbeiter der ?Henne?, den Gästen den Aufenthalt, entsprechend der jahrhundertlangen Tradition des Gast- und Logierhauses, so angenehm wie möglich zu gestalten. Dank des fortwährenden Engagements von Familie Becker erwachte die ?Goldene Henne? aus dem lange währenden Dörnröschenschlaf und fand den Weg in das kulturelle Leben der wunderschönen Altstadt Arnstadts zurück. ?
2008
?Und so konnte2008 das 400 jährige Jubiläum des Gast- und Logierhauses ?Goldene Henne? mit einer prachtvollen Feier im ebenso prachtvollen Stucksaal begangen werden.
Wie das Wasser im Fluss Kanten und Ecken rundet, musste auch die ?Goldene Henne? Federn lassen ? aber sie brütete auch sehr viel Gutes aus. Heute zeigt sich das Haus als modernes, gut eingerichtetes, preiswertes, solides, mehrfach ausgezeichnetes Gasthaus und Hotel. Zahlreiche Veranstaltungen, gesellschaftliche Feierlichkeiten und Anlässe werden in der Henne das ganze Jahr über ausgerichtet, ganz nach dem Motto:
Tradition verpflichtet!
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